Der Schritt der Philosophie ins Café
Die unerfüllten Erwartungen an unsere wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten fordern ein grundsätzlicheres Denken heraus. Auch mit der "Neuen Unübersichtlichkeit", der Unsicherheit des "anything goes" geht ein Verlust der Geborgenheit im Selbstverständlichen einher. Wenn unsere Mit- und Umwelt fragwürdig wird, gewinnt die Philosophie wieder an Bedeutung. Wird die kalkulierbare Routine eines funktionalen und pragmatisch orientierten Lebens gestört, bekommt unser Dasein wieder rätselhafte, mysteriöse Züge. Wir beginnen zu hinterfragen, zu überdenken. So werden (neue) Fragen bedeutender als Lösungen.
Die universitäre Philosophie verharrt in einer autistischen Betriebsamkeit, die "Philosophie" auf Kosten des Philosophierens zum Tagesgeschäft erhoben hat, oft genug fernab der ursprünglichen Unruhe und Motive, welche die Daseinserfahrung jedes einzelnen hervorrufen. Das Café Philo versteht sich als Teil eines osmotischen Prozesses zwischen der fruchtbaren Schaffenskraft der wissenschaftlichen "Elfenbeinturm"-Gemeinde und den Herausforderungen konkreter menschlicher Lebensbezüge.
Nicht ohne Grund sind diese Cafés in einem Land entstanden, das die Kraft philosophischer Entwürfe unmittelbar in ihrer eigenen Geschichte erfahren konnte - in Frankreich. Der sokratischen Idee folgend, das philosophische Denken gemeinsam zu kultivieren und es jedem einzelnen näher zu bringen, gründete Marc Sautet 1992 das erste Café Philosophique und eröffnete ein Diskursforum für einen bunten Bevölkerungsquerschnitt interessierter Bürger. Seither wurden rund 150 philosophische Cafés in der ganzen Welt eröffnet, allein in Paris 17, in Frankreich über 100. Das Café Philo in Düsseldorf ist das erste dieser Art in der Bundesrepublik. Marc Sautet eröffnete es mit einer Moderation im September 1997 in der Gastronomie des Künstlervereins "Malkasten".
Verantwortlich: Dr. Ulrich Teich