„Können wir mir unserer westlichen Philosophie die Wirklichkeit erklären?“ Moderator: Dr. Wolfgang Buschlinger

Die Frage enthielt mindestens vier mögliche Deutungsweisen und Problematiken:

1) Geht es um den Unterschied zwischen westlichen und nicht-westlichen Philosophien?

2) Geht es um den Unterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft (oder Religion)?

3) Was ist die Wirklichkeit und: Gibt es die eine Wirklichkeit überhaupt?

4) Was kommt als eine gute Erklärung überhaupt in Frage?

 

Um den Unterschied zwischen westlichen und nicht-westlichen Philosophien ging es nicht. Einig war man sich darüber, dass es niemals schadet, von anderen Kulturkreisen zu lernen, also auch nicht von nicht-westlichen Philosophien. Aber dies gehört zu den lebensweltlichen Selbstverständlichkeiten.

 

Auch um den Unterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft ging es nicht, eher schon um die Frage, ob zu einer guten Erklärung die Wissenschaften beitragen. Auch darüber herrschte weitgehend Einigkeit, da die Wissenschaften als gute, wenn nicht als beste Methode für die empirische Welterkenntnis anerkannt wurden.

 

Umstritten war vor allem die Frage, ob es die eine Wirklichkeit überhaupt gibt. Gemeint war mit ‚Wirklichkeit’ vor allem ‚Wirklichkeitserkenntnis’. Einige Teilnehmer bestritten die Möglichkeit der einen Welterkenntnis mit dem Verweis darauf, dass man niemals im Besitz aller Aspekte, aller möglichen Welterkenntnisse sein könne. Ihnen ging es also um die Vollständigkeit der Welterkenntnis. Ohne Vollständigkeit keine eine Welterkenntnis, sondern viele.

 

Die meisten Teilnehmer bestritten aber im relativistischen bzw. konstruktivistischen Sinne die Möglichkeit der einen Welterkenntnis. Welterkenntnisse zweier Menschen, die sich widersprechen, können, so die Meinung, beide gleichzeitig wahr sein, und zwar wahr für diejenige Person, die diese Ansicht vertritt.

Es herrschte regelrecht eine Weigerung, eine Welterkenntnis für falsch zu halten. Es hieß, wer sich so etwas anmaße, sei Narzisst.

 

Eine weitere Schwierigkeit haftete dieser Diskussion an. Manche der Teilnehmer dachten bei ‚Wirklichkeit’ eher an die materiell-physikalische Welt, andere an die gesellschaftliche Wirklichkeit. Bei der Rede über die gesellschaftliche Wirklichkeit war es schwierig, normative und deskriptive Aspekte auseinander zu halten.

 

29.06.2017

 

Wolfgang Buschlinger